Sensiblität in der Tattooszene
Tough war gestern – Zeit für mehr Feingefühl im Studio
Die Tattooszene in Deutschland wurde lange Zeit mit einem rauen Image assoziiert. Tattoo’s waren ein Zeichen von gesellschaftlichen Randgruppen (wie z. B. Seefahrern, Soldaten oder Strafgefangenen, Rockern, Punkern oder Kriminellen Menschen bzw. Strukturen). In diesen Kreisen war der Umgangston hart. Tattoo’s waren Ausdruck von Rebellion gegen die bürgerliche Gesellschaft und wurden als unseriös oder anstößig empfunden.
Doch diese Zeiten sind vorbei. Tattoos sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und mit der wachsenden Vielfalt an Menschen, die sich tätowieren lassen und auch selbst tätowieren, hat sich auch die Szene gewandelt. Heute tätowieren Artists Menschen aus allen Lebensbereichen. Die Tattooszene hat sich weiterentwickelt, hin zu einem respektvollerem, sichereren und inklusiveren Raum, in dem sowohl Tätowierende als auch Kund:innen ein sensibles Miteinander pflegen. Zumindest in meiner kleinen Tattoo-bubble.
Und trotzdem ist manchmal eine Art Überheblichkeit bei den Artists zu spüren. Obwohl Tätowieren ein super sensibler Prozess ist. Ich höre immer wieder von Unfreundlichkeiten, wenn Änderungswünsche am Motiv oder der Platzierung sowie andere Bedürfnisse wie Pausen, Abbruch etc. angesprochen werden. Als wären die Bedürfnisse Anderer, persönliche Kritik oder sogar ein Angriff. Und mit solchen Unangenehmen Situationen in eine Tattoosession starten, fühlt sich nicht gut an.
Es geht um einen menschlichen Körper, um Schmerz, um etwas, das für immer bleibt. Da braucht es Respekt, offene Kommunikation und ein Gefühl für das Gegenüber, welches sich in die Hände des Artists begibt. Tätowieren ist ein Prozess, welcher auf Augenhöhe und mit Feingefühl stattfinden sollte. Beidseitig.
Daher sollte die Tattooszene nicht mehr als harter, abweisender Raum verstanden werden, in dem man sich dementsprechend verhält. Er sollte als Ort wahrgenommen werden, an dem Sensibilität eine zentrale Rolle spielt. Tätowieren bedeutet, mit Menschen und ihren Körpern zu arbeiten. Und das erfordert Einfühlungsvermögen. Jeder Mensch bringt eigene Vorstellungen, Emotionen und Grenzen mit, die respektiert werden müssen. Ein wertschätzender Umgang, offene Kommunikation und Offenheit für individuelle Wünsche und Bedürfnisse sollten selbstverständlich sein.
Ich persönlich sehe Haut nicht nur als Medium für meine Kunst. Die Haut ist immer noch ein Teil eines anderen Menschen, mit individuellen Bedürfnissen, Empfindungen und Grenzen, welche offen Kommuniziert und berücksichtigt werden müssen.
01.03.2025
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