Machtmissbrauch
Was geht im Studio gar nicht?
Triggerwarnung: sexuelle Gewalt
In diesem Beitrag geht es um körperliche und sexuelle Grenzüberschreitungen.
Sich ein Tattoo stechen zu lassen, ist für die meisten von uns ein aufregendes, wichtiges und manchmal langersehntes Erlebnis. Ein Erlebnis, welches -buchstäblich- unter die Haut geht. Wir lassen uns von einer (mehr oder weniger fremden) Person Tinte unter die Haut stechen, um unseren Körper zu verschönern, unserer Persönlichkeit oder unseren Interessen Ausdruck zu verleihen, eine Erinnerung zu verewigen oder um zu Heilen.
Die Gründe sind vielfältig. Und weil jede Session etwas besonderes und individuelles ist, setzt sie ein Gefühl von Vertrauen, Sensiblität und Sicherheit voraus. Leider zeigt sich aber immer häufiger, dass genau dieser Rahmen in der Tattooszene nicht immer gegeben ist.
Die Stimme von Opfern von Machtmissbrauch in der Tattooszene wird immer lauter. Es werden immer mehr Fälle von Grenzüberschreitungen in Form von sexueller Belästigung, Bodyshaming, Flirtversuchen etc. öffentlich:
„Ich sollte ständig mehr ausziehen als nötig, hat mir während dem tätowieren gesagt, wie gut ich rieche und dass ich sein Typ bin, mir von seinem Intimpiercing erzählt, welche Größe das hat (auch im Verhältnis zu seinem G3schl3chtsteil) und wie gut GV damit sei…“ (Quelle: Instagram/keinsafespace)
„Während des Stechens hat er mir die ganze Zeit seine Finger in den Mund gesteckt und ekelhafte sexuelle Dinge gesagt. Außerdem hat er mir durchgängig Vaseline in den Mund geschmiert und dabei gelacht. Ich war vom Schmerz und der Situation wie gelähmt.“ (Quelle: Instagram/keinsafespace)
„Ich war zu dem Zeitpunkt noch minderjährig. Am Anfang war er nett, als er dachte, dass ich über 18 sei, hat er sich an mich rangemacht und meine Hand sehr nah an seinen Schritt gepackt. Nachdem ich sagte, dass ich noch minderjährig sei, hat er das sofort unterlassen und war höflich. Nachdem ich dann über 18 war und er mal wieder einen Guestspot hatte, meinte er ich sei so süß, dass er mich am liebsten in seinem Keller fesseln und einsperren möchte, […].“ (Quelle: Instagram/keinsafespace)
Vor allem junge Frauen erleben immer wieder übergriffiges Verhalten von männlichen Tattooartists, wie unangemessene Berührungen, anzügliche oder abwertende Kommentare, die Aufforderung intime Stellen zu entkleiden, obwohl diese nicht tätowiert werden, Angebote der Preissenkung für sexuelle Handlungen, oder anderem Machtmissbrauch. Die Liste ist leider lang.
Die Menschen hinter dem Instagram-Account „keinsafespace“ geben Opfern von Machtmissbrauch die Möglichkeit, ihre Erlebnisse anonym zu teilen und weisen damit auf diese schweren Missstände hin und lassen damit eine Art Awareness in der Tattooszene wachsen. Denn solche grenzüberschreitenden Verhaltensweisen sind absolut unprofessionell und inakzeptabel. Und wir müssen darüber sprechen, damit solche traumatischen Situationen nicht mehr passieren, Artists sensibilisiert werden und Betroffene Gehöhr finden. Solche Situationen solltest du weder in einem Tattoostudio, noch irgendwo anders erleben müssen. Tätowieren sowie tätowiert werden, ist ein körpernaher, intimer Prozess, in dem sowieso schon jemand -mit Einwilligung- eine körperliche Grenze überschreitet. Und genau deshalb braucht es Respekt, Sensiblität und Grenzen – beidseitig.
Wenn du schonmal derartige Erfahrungen gemacht hast, bist du damit nicht allein. Vertrau dich deiner Familie oder Freunden an. Solche Verhaltensweisen können zur Anzeige gebracht werden. Du kannst dich auch an den Instagram-Account keinsafespace wenden, um dort anonym deine Erlebnisse zu teilen, um andere schützen.
Hilfetelefon bei sexualisierter Gewalt: 08003050750
Damit du dich vor derartigen Grenzüberschreitungen schützen kannst, möchte ich dir folgende Tipps mitgeben:
- Beratungstermine mit dem Artist vor der Tattoosession
- keine Anmachsprüche oder Versuche darüber hinaus
- Grenzen klar ansprechen
- Passende Kleidung
- Nur mit Einverständnis Fotos vom Tattoo machen lassen und sich diese zeigen lassen
- Informier dich über den Artist oder das Studio (Fotos, Socal Media- Auftritt, Rezensionen)
- Empfehlungen: Kennt jemand aus deinem Umfeld den Artist? Vielleicht sogar queere Menschen
- Begleitperson mitbringen
Ich möchte zum Abschluss nochmal deutlich machen, dass ich mir meiner Position bewusst bin, Machtgefälle ausgleichen und meiner Kundschaft einen professionellen und möglichst sicheren Rahmen bieten möchte.
20.05.2025
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